Zehntscheuer
   

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Über die Zehntscheuer, über die Kunst und über mich

Ein Rundblick, der erklärt, was hier los ist.

Als Hobby-Aussteller in der Galerie der Zehntscheuer Zuffenhausen bin ich in einer tollen Lage: Es soll niemand etwas kaufen. Das Einfache des dortigen Angebotes würde in Deutschland kaputtreguliert, wenn auch nur der Hauch eines Gewerbes nachweisbar wäre. Ein paar Gratis-Happen und Getränke sind drin. Drumherum nur Ehrenamt. Spenden sind möglich, danke.

Als Künstler stecke ich in jener Moderne, die nicht mehr so viele handfeste Werke zu verkaufen hat: Es gibt nur wenig künstlerische Unikate von mir. Insgesamt sind da vielleicht vierzig Ölgemälde - Leonardo da Vinci mit seinen zwanzig fertiggestellten Gemälden klopft mir auf die Schulter :-) Ein Hauch "Original" weht uns noch an bei meinen zweihundertneunzig Psychodelia-Analog-Fotos und den fünfunddreißig Siebdrucken. Das war´s an Unikaten.

Mein künstlerisches Schaffen zielt darauf ab, dass meine Werke in einem zweiten, parallelen Produkt bei mir auch verbleiben, falls ich etwas verkaufe. Das klappt bei Digitalkunst, Ideenkunst und Medienkunst. Mein von Hand Gezeichnetes - da sehe ich tausend Bilder - ist ausgerichtet auf Scannen und Weiterbearbeiten. Das gezeichnete Original steckt klein in seiner Schublade und sagt nur mir, wohin es explodieren kann - zum Relief, zur Wandmalerei.

An neunzig Prozent der Kunstanregungen um mich herum gehe ich vorbei: "Nee, das übernehme ich nicht, zitiere ich nicht, greife ich nicht auf". Mit den zehn verbleibenden Prozent bleibe ich ein Querbeet-Künstler: Menschengrafiken, Filme, digitale Bildmontagen: Wie passt das in einen Topf? Nun, die Gemeinsamkeit liegt in der Person, die die Werke herstellt. Erkennbar "Typisch Chris Mennel" sind nach meinem Gefühl nur die Hälfte meiner Werke: Phantaphotos, Psychodelia-Bilder, line-land-Grafiken, Kunst-Homepages. Ich verkaufe selten. Ich spiele und pendele.

Chris auf "Traumtour" 2023 in der Galerie "Oberwelt". Links seine "Fotogemälde", rechts ein Bildschirm mit Digitalkunst. Im orange beleuchteten Hinterraum wartet unter anderem seine 3x3-Meter-Großgrafik "Traumpflanze".

Als Kurator will ich Kunst-Party im weiten Sinne haben: Der Raum soll baggern. Das Gezeigte soll locken, verblüffen, anspringen. Ein künstlerisches Gratis-Live-Ereignis möchte ich anbieten in jeder Vernissage in der Zehntscheuer Zuffenhausen: Zwanzig Minuten Musik, Theater, Tanz - ja bitte. Den Stress des Galeristen versuche ich klein zu halten. Es gibt keine Ausschreibungen, bei denen wir Absagen erteilen müssen. Selten gibt es Solo-Nummern. Wir mischen, wir sind Gruppe.

In den zwei ersten von mir kuratierten Kunst-Ausstellungen 2025 hatte ich ordentlich die Namen der Teilnehmer auf Plakat und Flyer geschrieben. Das wurde gekippt: Durch Absagen der Teilnehmer. Ein Problem der Geldlosigkeit, des Hobby-Status: Kein Vertrag, kein Honorar, kein Dranbleiben. Nur noch das Motto meiner Angebote an Ausstellungen wirbt seit Herbst 2025. Für 2026 sind unsere Themen: Karneval, Fleckenfest, Weinlese und Weihnachtsmarkt in Zuffenhausen: Wir garnieren uns drumrum, mit vier Kunstausstellungen, pro Jahreszeit eine.

Das Ziel dieser Hobby-Ausstellungen in der Zehntscheuer ist beruhigend einfach: Vierzig muntere Menschen bitte auf der Vernissage, und an den Folgetagen Familien-Atmosphäre mit vielleicht zehn Leuten, die vorbeischauen. Werben für solche eigentlich geringe Besucherzahl muss ich in diesem Vorort, in dem es keine gewerbliche Kunstgalerie gibt, in dem kaum ein Musiker auftritt, in verblüffendem Umfang.

Kunst als Party eines launischen Künstlers: Das ist mein Angebot, seit mir die Fortführung des vom Zeitenwandel heimgesuchten "Kunstkreises Zuffenhausen" angeboten wurde. Ich freue mich über die Möglichkeit, in Zuffenhausen Blumen wachsen zu lassen. Treffen wir uns, seien wir Hobby-Künstler, feiern wir.